Turm am Alex: Architekturwettbewerb entschieden

Das Architekturbüro Sauerbruch Hutton entwickelt einen Turm mit 60'000 m² am Hauptdrehkreuz von Berlin. Am Ende eines von der Stadt Berlin und Covivio geleiteten Architekturwettbewerbs stand die Entscheidung, Sauerbruch Hutton als Architekten für das Großprojekt am Alexanderplatz auszuwählen.

Das Projekt führt  verschiedene städtische Nutzungen an einem Ort zusammen. Als Eigentümer eines großen Baugrundstücks am Alexanderplatz, zu dem auch das Park Inn Hotel gehört, hat das Immobilienunternehmen Covivio das Projekt als Destination im Herzen Berlins definiert. Das Unternehmen wird ein gemischt genutztes Hochhaus mit 60'000 m² entwickeln, das rund 26'570 m² Büros, 21'900 m² Einzelhandel und 11'400 m² Wohnfläche bietet. Das Projekt umfasst auch Räume für Co-Working, Co-Living, einen Inhouse-Club mit Dachterrasse, Restaurants, Gastronomieecken und ein breites Spektrum an Dienstleistungen, die sich auf das Wohl der Kunden konzentrieren (Kinderbetreuung, Fitness usw.). Im Einklang mit den CSR-Zielen (Corporate Social Responsibility) von Covivio soll das Projekt, das auch große Außen- und Grünflächen mit einem hohen Grad an Vernetzung bietet, als LEED-Gebäude (Leadership in Energy and Environmental Design) und Wiredscore (Bewertungssystem für Gewerbeimmobilien im Hinblick auf digitale Konnektivität) zertifiziert werden.

„Dieses Projekt fasst unsere Strategie in Europa zusammen: Konzeption und Entwicklung von Betrieben, die verschiedene städtische Nutzungen kombinieren, starke Verbindungen zwischen verschiedenen Räumen schaffen und unsere Teams und unser Fachwissen in Europa für innovative Projekte mobilisieren, um unseren Kunden eine neue Erfahrung zu ermöglichen. Für uns ist es einer der Schlüssel, um langfristig Werte für alle unsere Stakeholder zu schaffen“, sagte Christophe Kullmann, CEO von Covivio.

Ein Projekt, das sich der Stadt öffnet

Berlin, wo Covivio seit 2010 aktiv ist, ist ein sehr dynamischer Markt, der für Unternehmen (Leerstandsquote <3 Prozent) [1] , aber auch für Touristen (3. touristische Stadtdestination in Europa mit 29 Millionen Übernachtungen pro Jahr) und Einwohner (+50'000 neue Einwohner pro Jahr) immer attraktiver wird. Auf diesen Grundlagen hat Covivio dieses Projekt gestartet und wird selbst einige Bereiche wie Co-Working und Co-Living betreiben und auch die besten Partner für die Verwaltung des Dienstleistungsangebots auswählen. 

„Am Ende werden wir einen echten vertikalen Campus schaffen, der mit der besten Infrastruktur im Herzen der Stadt verbunden ist. Dieser Ort, der zu einem neuen Ziel für die Menschen in Berlin wird, spiegelt unsere Sichtweise auf das zukünftige urbane Leben wieder. Das bedeutet Arbeiten, Entspannen, Wohnen, Einkaufen, Essen und Sport an einem Ort“, sagt Marcus Bartenstein, Head of Investments and Development Covivio in Deutschland.

Entworfen von Sauerbruch Hutton

Das von Sauerbruch Hutton vorgestellte Projekt wurde am Ende eines von Covivio mit aktiver Beteiligung und Unterstützung der Stadt Berlin organisierten Wettbewerbs ausgewählt. „Der neue Wolkenkratzer am Alexanderplatz hat einen hohen Wiedererkennungswert, denn er besteht aus zwei eleganten Türmen aus Stein und Glas, die eng miteinander verbunden sind und eine unverwechselbare Adresse an der Alexanderstraße bilden. Der Sockel, der diesen Turm umgibt, schließt den Raum des Alexanderplatzes. Seine Architektur zeichnet sich durch einen steinernen Rahmen aus Vertikalen und Horizontalen aus, der ihm in Abstimmung mit den Nachbargebäuden einen großstädtischen Charakter verleiht“, betont Matthias Sauerbruch, Architekt des Projekts.

Durch die erstklassige Lage, den architektonischen Anspruch und den einzigartigen Mix-Use-Ansatz des Projekts wird dieser Bauwerk zu einem neuen Wahrzeichen für den Immobilienmarkt und die Skyline von Berlin. Das Projekt wird in einem speziellen von Covivio verwalteten Gemeinschaftsunternehmen entwickelt, an dem Covivio zu mehr als 50 Prozent beteiligt ist. Die Projektleitung übernimmt Covivio. Die voraussichtliche Fertigstellung des Vorhabens ist für das Jahr 2023 geplant.

Zu den Teilnehmern am Wettbewerb gehörten Diener & Diener Architects (Basel) und Jean-Paul Viguier & Associés (Paris), die auf den Plätzen 2 und 3 lagen.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zum Projekt: „Der Alexanderplatz ist nicht nur einer der am höchst frequentierten Plätze Berlins, er ist auch einer der buntesten und lebendigsten. Dieses besondere Stück Berliner Architektur, das an dieser Stelle nun entsteht, fügt sich mit seinem zeitgemäßen Programm und seiner Mischung aus Wohnen und Arbeiten, Co-Living und Co-Working, in diese bunte und vielfältige Mischung perfekt ein. Der preisgekrönte Entwurf etabliert im Trubel des Stadtzentrums eine vielseitige Nutzungsmischung und bietet gleichzeitig einen individuellen, grünen Rückzugsbereich auf dem Dach des Sockels. Es entsteht ein Stück vertikale Stadt, ein wohlproportionierter Turm in einem eleganten Kleid. Der Alexanderplatz wird damit nicht nur um ein neues Hochhaus, sondern um eine weitere prominente Adresse reicher.“

Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit Ephraim Gothe zum Projekt: „Wohnen direkt am Alex! Bisher schwer vorstellbar, wird dies mit dem Entwurf des Büros Sauerbruch Hutton nun doch Realität. Das Projekt überzeugt sehr durch den prägnanten Doppelturm und durch Wohnungen in 6 Geschossen. Urbanität durch Nutzungsvielfalt ist Programm: Neben Einzelhandel, Wohnen und Office sind ein Club und ein kleiner Kindergarten vorgesehen. Besonders bedeutend ist die Erdgeschossnutzung, die neben den Antritten für großflächigen Einzelhandel eine Juice Bar, ein Restaurant, ein Cafe und eine Buchhandlung vorschlägt. Sehr gut gefallen mir die "naturhaften Gärten" als Abschluss des Blockobergeschosses und im Innenhof sowie die Ausbildung der Gasse zwischen Alexanderplatz und Alexanderstraße als "grüne Visitenkarte des Hauses". Dies hilft einem guten Mikroklima und einer angenehmen Aufenthaltsqualität.“

Projektbeschreibung

Der Entwurf besteht aus einer Verbindung zweier eigenständiger, aber auch verwandter Bauten: einem Sockelbau, der in seinem Volumen, seiner Materialität und Fassadenstruktur mit den Nachbargebäuden (Torbauten, Kaufhof usw.) korrespondiert und einem Hochhaus, das auf die bereits bestehende und geplante Bebauung an der Alexanderstraße reagiert. Beide Bauteile sind in einer Kombination von Kunststein/Architekturbeton und Glas gehalten. Im Flachbau fasst ein „steinernes Gerüst“ (das sich in Farbigkeit und Proportionalität an den Nachbarn orientiert) die unterschiedlichen Funktionen zusammen, die in diesem Bauteil untergebracht sind: Auf sechs Geschossen werden Wohnungen in Größen zwischen 20 m² und 95 m² angeboten, die drei unteren Geschosse sind dem Einzelhandel und der Gastronomie gewidmet, im 2. OG werden zusätzlich Co-Working-Flächen vorgesehen. Vor den großzügigen Fensterflächen der Nutzbereiche befinden sich luftige textile Sonnenschutzbehänge, die dem Haus eine sommerliche Leichtigkeit geben. Die Fassade des Turms ist geprägt durch vertikale Lisenen -- ebenfalls aus Architekturbeton --, die sich zur Spitze des Turms hin verjüngen. Das Gesamtvolumen des Hochhauses ist durch eine Fuge in zwei Teile gegliedert. Die Lisenen der beiden Hälften sind im farbigen Kontrast (schwarz/weiß) gehalten, um diese Teilung in zwei elegant proportionierte Vertikalvolumen optisch zu unterstützen. Die Brüstungsbereiche zwischen den Lisenen bestehen aus Glas, das jeweils im Kontrast dann weiß/schwarz gehalten ist. Da die Alexanderstraße künftig von sechs 130 m hohen Hochhäusern gesäumt wird, werden diese ein relativ geschlossenes Ensemble bilden. Der eigene Charakter dieses Hochhauses wird sowohl für Passanten auf Platz und Straße als auch aus der Ferne dennoch gut erkennbar sein – durch ihr Auftreten als „vereinte Türme“. Auf den Hochhausetagen sind vorwiegend Büroflächen untergebracht, wobei jede Etage in bis zu drei Einheiten von ca. 300 m² aufgeteilt werden kann.

Eine Besonderheit bietet der sogenannte „Garden Club“ im 8. OG, ein teil-öffentliches Angebot an die Nutzer der Büro- und Co-Working-Flächen: Auf dem Dach des Sockelbaus wird ein Dachgarten angelegt, der mit verschiedenen Angeboten zum Aufenthalt einlädt. Im Hof des Wohnteils befindet sich ebenfalls ein großzügiger Garten, der den Bewohnern zur Verfügung steht. Die Fassade des Hochhauses ist mit Photovoltaikeinheiten bestückt, sodass das Gebäude einen Teil seines eigenen Strombedarfs selbst produzieren wird. Mit Hilfe einer Kastenfensterkonstruktion wird es darüber hinaus ermöglicht, das Hochhaus auch natürlich zu belüften. Die Nutzung von Geothermie und Grauwasserwärme runden das Konzept zur Energieeinsparung und CO2- Vermeidung ab. Die Kombination aus Wohnen, Arbeiten und Einzelhandel als traditionelle Typologie der europäischen Stadt wird in diesem Gebäude in innovativer Weise wieder aufgelegt und neu interpretiert. Der Alexanderplatz wird als metropolitaner Ort in der Stadt gestärkt. Die Symbolik des Hauses soll die Wichtigkeit des Ortes in der jüngsten Geschichte versinnbildlichen, die aktive Fassade auf die Zukunft des Bauens verweisen.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=sgXhg22BlBQ

  • Bild: Sauerbruch Hutton - Luxigon
  • Bild: Sauerbruch Hutton - Luxigon
0
RSS Feed

Hat Ihnen der Artikel gefallen?
Abonnieren Sie doch unseren Newsletter und verpassen Sie keinen Artikel mehr.

Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder!

CAPTCHA
Diese Frage stellt fest, ob du ein Mensch bist.

Neuen Kommentar schreiben

Entdecken Sie die Printmagazine des WIN-Verlags