Cloudbasierte Lern-Technologie: Impulsgeber im Bildungs- und Hochschulbereich

Bildungseinrichtungen merken: Die digitale Transformation erfasst sie immer stärker. Ob neue Lernformen, Effizienzdruck oder globalisierte Lehrangebote, Antworten sind gefordert. Die Marktanalysten von IDC haben sich die Bildungsbranche angeschaut. Digital Business Cloud fasst für Sie die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

IDC: 75 Prozent der Bildungseinrichtungen sind schlecht auf Digitalisierung vorbereitet. Bild: Matej Kastelic/shutterstock.com

Hamburg, New York, Tokyo – was wie Stationen einer Weltreise klingt, sind häufig die Studien- und Ausbildungsorte auf einem erfolgreichen Karriereweg. Neue Technologien und die digitale Transformation verändern nicht nur Wirtschaft, Gesellschaft und Karrierepfade, sie verändern auch die Bildung. Neue Fähigkeiten sind gefragt, neue Chancen eröffnen sich, neue Wege gilt es zu beschreiten.

Hierauf müssen sich Universitäten, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen viel besser einstellen, fordern die Analysten von IDC im brandneuen IDC Market Spotlight „Digitale Transformation in Deutschlands Hochschulbildung: Wie ein modernes Learning-Management-System (LMS) Veränderungen bewirken kann“. Zwar konstatiert IDC in einer aktuellen europäischen Branchenstudie, dass 25 Prozent der Bildungseinrichtungen die digitale Transformation angehen. Doch 75 Prozent haben eben – so die Analysten – noch keine „konkreten Pläne in Bezug auf die digitale Transformation oder sind sich der Auswirkungen auf ihre Institution nicht bewusst.“ Ohne auf die verschiedenen Definitionen von digitaler Transformation einzugehen, es bleibt ein erster Befund: Es ist an der Zeit zu handeln.

Zeit zu handeln: Lernen, Lehren und Technologie im Gleichgewicht

Denn bisher waren technologische Infrastruktur und LMS an Hochschulen vor allem drauf ausgerichtet, Inhalte zu speichern und Kursabläufe zu organisieren. Doch Bildung in der digitalisierten Welt stellt neue Anforderungen. LMS seien daher auch keine passiven Systeme mehr, sondern ermöglichen heute – so IDC – die Interaktion zwischen Studierenden und Lehrenden. Diese Interaktion ist auch zentrales Ziel der Bildungseinrichtungen, sie geben als eine der wichtigsten Prioritäten für 2018 in einer Befragung die „Verbesserung der Erlebnisse von Studierenden“ an. Dem cloudbasierten LMS kommt aus Sicht von IDC eine zentrale Rolle zu, denn die Technologie schaffe ein Gleichgewicht zwischen den Anforderungen der Lehrenden und den Bedürfnissen der Studierenden. Studierende lernen interaktiver, schneller und nachhaltiger; Lehrende werden entlastet, damit sie sich auf die Kompetenz-Vermittlung konzentrieren und unterschiedlichen Lernstilen Rechnung tragen können. Was aber sollte das LMS bieten, damit es diesen Zweck erfüllt?

Das muss ein LMS können – Praxisbeispiel Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL)

Plastisch wird das am Beispiel. IDC führt die Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) in der Schweiz an. Die EPFL bietet schon lange sehr erfolgreich einen Executive MBA (EMBA - https://emba.epfl.ch/) an. 2015 jedoch hat man festgestellt, dass die internen Systeme der Hochschule den Anforderungen hinterherhinken. Das EMBA-Programm nutzte eine Kombination aus rudimentären Tools, was zu einer fragmentierten, unzusammenhängenden Erfahrung für Studierende und Mitarbeiter führte. Lernfortschritte konnte man kaum verfolgen, Inhalte nur schwer bearbeiten. Was tun?

Lernstile berücksichtigen, Dozenten überzeugen

Zunächst ermittelte die EPFL ihre Anforderungen an eine neue digitale Lernumgebung: Das LMS sollte zum digitalen Einstiegspunkt für Studierende werden. Es sollte schnell und einfach Zugriff auf Programm und Kursinhalte bieten, sodass sich Studierende – entsprechend ihrem individuellen Kenntnisstand – bereits vor Veranstaltungsbeginn mit grundlegenden Lerninhalten vertraut machen können. Denn so lassen sich individuelle Lernstile berücksichtigen und die Zeit im Hörsaal sinnvoller nutzen. Gleichzeitig sollten auch die Dozenten das LMS als Bereicherung erfahren. Viele von ihnen sind noch außerhalb der Hochschule oder in anderen Bildungseinrichtungen tätig, Benutzerfreundlichkeit ohne lange Einarbeitung war entsprechend wichtig.

In der Schweiz lernen oder von der Schweiz lernen?

Man entschied sich für ein cloudbasiertes LMS, mit dem sich auch eine Reihe individueller Anwendungen und sogar manuelle Prozesse umsetzen lassen. Das Ergebnis: Kursverlauf und -materialien sind heute präzise auf die Bedürfnisse, Erfahrungen und Fähigkeiten der Studierenden ausgerichtet. Die Interaktion von Studierenden und Dozenten hat sich vertieft. Studierende können sich online vor der Veranstaltung grundlegendes Wissen aneignen und festigen. Lehrkräfte konzentrieren sich während der Veranstaltung auf komplexe Fragen und reale Anwendungsfälle. Das Fazit: Die Implementierung des neuen LMS hat den Schweizern ermöglicht, den Schwerpunkt von der Systemverwaltung auf die Inhaltserstellung und Lehre zu verlagern. Damit wurden Servicequalität sowie Lernerfahrungen der Lausanner Absolventen stark verbessert – ein Beispiel, von dem man lernen kann.

Cloud-Migration als Katalysator

Ein cloudbasiertes LMS sieht IDC als Impulsgeber für Wandel in Bildungseinrichtungen und die Cloud selbst sogar als „Katalysator“. Ihre hochgradig skalierbare Architektur lasse sich kaum mehr ignorieren.  Dabei sind Wandel und Veränderung kein Selbstzweck, sondern müssen die Aspekte Mensch, Prozesse und die Kultur der Organisation in Betracht ziehen. Hier sehen die Marktanalysten vier wichtige Aspekte. Am Anfang steht die Strategie, denn eine isolierte Technologie-Einführung scheint wenig erfolgversprechend. Vielmehr kommt es darauf auf, technologischen und pädagogischen Wandel von Beginn an gleichzeitig zu denken und zu gestalten. Das heißt im Klartext, Lernen, Lehren und Technologie-Einsatz sollten aufeinander abgestimmt und im Einklang sein.

Das empfiehlt IDC Bildungseinrichtungen und Universitäten

Modernisierung oder Neueinführung eines LMS stehen bei vielen Hochschuleinrichtungen auf der Agenda. Als entscheidend sehen die Analysten hierbei den zweiten Punkt, „Ausrichtung am Bedarf der Nutzer – nicht an internen Prozessen oder Strukturen“. Denn das LMS sollte die Interaktion – zwischen Studierenden und Lehrenden sowie der Studierenden untereinander – fördern und sich damit von der älteren LMS Generation abheben. War früher die Bereitstellung von Kursplänen- und -materialien eine wichtige Funktionalität, geht es heute um die gemeinsame Bearbeitung von Lerninhalten – rund um die Uhr und an allen Orten der Welt. Hierzu gehört drittens die Integration des LMS in die Gesamtarchitektur der Bildungseinrichtung. Die enge Verzahnung mit den Support-Systemen garantiert die ganzheitliche Interaktion – von der Immatrikulation über die Kurse bis hin zu den Abschlüssen. Und viertens empfiehlt IDC den Aufbau von Communities, damit sich Studierende und Dozenten die Vorteile des LMS unter Gleichgesinnten erschließen können.

Das komplette IDC Market Spotlight könnten interessierte Leser kostenfrei herunterladen.

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