KI-Algorithmus statt Kraken-Orakel

Krake Paul war 2010, heute ist künstliche Intelligenz (KI) am Zug. Zum Start der Fußballweltmeisterschaft hat das auf KI spezialisierte Unternehmen Blue Yonder zusammen mit ITM Predictive die Gewinnwahrscheinlichkeiten der bevorstehenden Spiele prognostiziert.

Der KI-Algorithmus von Blue Yonder identifiziert Brasilien mit einer Gewinnchance von 22,5 Prozent als Favoriten des Turniers. Spanien liegt mit 11,1 Prozent an der Spitze des Verfolgerfeldes (es könnte allerdings sein, dass zum Zeitpunkt der Vorhersage ein entscheidender Faktor fehlte, nämlich die sehr kurzfristige Entlassung des spanischen Nationaltrainers), gefolgt von Argentinien (9,5 Prozent), Deutschland (9,3 Prozent) und Frankreich (7,8 Prozent).

Prognosen für die ersten Spieltage

Auch die Prognosen für die ersten Spieltage in der Gruppenphase stehen fest: Deutschland wird das Spiel gegen Mexiko zu 57,7 Prozent gewinnen, zu 29,6 Prozent unentschieden spielen und zu 12,7 Prozent verlieren. Am zweiten Spieltag wird Deutschland zu 54,1 Prozent gegen Schweden gewinnen, die Chance zu einem Unentschieden steht bei 22,2 Prozent. Im Spiel gegen Südkorea stehen die Zeichen noch deutlicher auf Sieg: 67,3 Prozent sprechen für einen Sieg für Deutschland, nur 20,5 Prozent für ein Unentschieden.

Die Fußball-Überraschung 2018

Eine der interessantesten Vorhersagen von Blue Yonder ist die stärkere Leistung Russlands als erwartet: „Das Team hat sich in den vergangenen Jahren schwer getan. Aber Gastgeber schlagen sich die Teams oft sehr gut beziehungsweise besser als gedacht. Das Fehlen von Daten aus der Qualifikationsphase macht es natürlich schwerer, die Performance der Mannschaft zu beurteilen. Doch laut unseren Vorhersagen wird das Russland-Team diesen Sommer viele überraschen. Wir haben errechnet, dass sie eine Chance von 5,2 Prozent haben, das Turnier zu gewinnen – und somit auf Platz 7 zu landen, direkt hinter England und sogar vor Portugal und Belgien, denen man einen Sieg eher zugetraut hätte“, so der ehemalige CERN-Forscher Prof. Dr. Feindt, Gründer und Chief Scientific Officer von Blue Yonder.

KI-basierte Vorhersagen – wie es funktioniert

Um die Ergebnisse eines Turniers mit so vielen möglichen Variationen und Permutationen zu berechnen, waren umfangreiche Datensätze und Analysen erforderlich. Prof. Dr. Michael Feindt erklärt, wie die Vorhersagen zustanden kommen: „In die Vorhersagen sind alle verfügbaren Ergebnisse von internationalen Spielen seit 1872 eingeflossen. Dabei handelt es sich um rund 38.000 Partien, die mithilfe künstlich-intelligenter Algorithmen von Blue Yonder analysiert wurden. Basierend auf diesen Daten haben wir eine Million Simulationen des Turnierverlaufs durchgeführt, bei denen für jedes Spiel unterschiedliche Ergebnisse und deren Wahrscheinlichkeiten für alle 32 Teams berechnet wurden. So ergeben sich konkrete Zahlen über die Chancen der Teams, um in der Gruppenphase als Sieger oder Zweitplatzierte ins Achtel-, Viertel- oder Halbfinale einzuziehen sowie schließlich im Finale zu triumphieren oder Zweitplatzierte des Turniers zu werden."

Einfluss von Fußballspielen und anderen Ereignissen auf den Handel

Sportliche Großereignisse wie Fußballturniere haben auch einen großen Einfluss auf den Handel. Er ist der eigentliche Adressat  der KI-Lösungen von Blue Yonder. Spiele – gerade die der eigenen Mannschaft – werden oft gemeinsam in großer Runde verfolgt, verbunden mit Bier und Barbecue. Auf diese außerregulären Anstürme auf die Supermarkt-Regale muss der Handel vorbereitet sein. Auch Fan-Utensilien wie Flaggen und Schminke in Schwarz-Rot-Gold sind vor und während der Turnier-Zeit heiß begehrt.

Uwe Weiss, CEO von Blue Yonder, dazu: „Auch außerhalb von solchen Großereignissen setzen unsere Kunden unsere KI-Lösung dafür ein, um die Kundennachfrage zu prognostizieren und so Einkauf- und Logistikentscheidungen sowie die Preisgestaltung zu optimieren. Dafür analysieren wir sehr große Datenmengen und ermöglichen so täglich Millionen von automatisierten Einzelentscheidungen hinsichtlich Lagerhaltung und optimalem Preis. Für jedes einzelne Produkt und jede einzelne Filiale. Dabei spielen natürlich auch externe Ereignisse wie Sport- oder Kulturevents, Gesellschaft- oder Modetrends, die Wetterlage sowie Ferien oder Feiertage und ihre Auswirkung auf die Nachfrage eine wichtige Rolle."

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