Datev will bis 2025 digitale Transformation vorantreiben

Die Datev eG hat auf der Jahrespressekonferenz am 1. Juli in Nürnberg ihre künftigen strategischen Handlungsfelder präsentiert. Mit der Initiative „DATEV 2025“ hat sich die Genossenschaft das Ziel gesetzt, die digitale Transformation betriebswirtschaftlicher Prozesse weiterzuentwickeln. Damit will die Genossenschaft ihre Mitglieder und deren Mandanten rechtzeitig auf den Wandel durch die Digitalisierung vorbereiten. So will der IT-Dienstleister in den nächsten Jahren sein Produkt- und Serviceangebot um Cloud- und Datenanalyse-Lösungen erweitern sowie die damit verbundenen Prozesse automatisieren.

Dr. Robert Mayr, seit Anfang April Vorstandsvorsitzender der DATEV, erklärte auf der Jahrespressekonferenz: "Wir müssen gemeinsam mit unseren Mitgliedern, den Steuerberatern, Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern, genau analysieren, welche Herausforderungen durch die digitale Transformation vor allem im Bereich der betriebswirtschaftlichen und deklaratorischen Prozesse entstehen." Die Genossenschaft müsse sich deshalb frühzeitig und umfassend auf diese Herausforderungen einstellen und auf diese Weise die Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder erhalten.

Laut Einschätzung der Datev wird die digitale Transformation vor allem bei administrativen Aufgaben zu Veränderungen führen. Zudem werden sich die zugehörigen Prozesse immer enger miteinander vernetzen. Bereiche, die bislang unabhängig tätig waren, werden sich immer stärker austauschen. Für Robert Mayr zeichnet sich bei dem Berufsstand der Steuerberater und Rechtsanwälte eine Transformation der Tätigkeiten ab: "In Zukunft gewinnt die betriebswirtschaftliche Beratung zunehmend an Bedeutung. Dieser Wandel ist getrieben von der IT." Mehr denn je müssten die Berater auch als unternehmerische und betriebswirtschaftliche Impulsgeber agieren.

Medienbruchfreie betriebswirtschaftliche Prozesse

Die Datev wird den steuerberatenden Berufsständen Lösungen bereitstellen, die medienbruchfreie betriebswirtschaftliche Prozesse ermöglichen. Dies verlangt einen weitreichenden Ausbau der rechenzentrumsbasierten Dienste. Denn nur in einer Cloud-basierten Sytemlandschaft sind der flexible Datenzugriff, die Vernetzung und Automatisierung sämtliche Prozesse sowie die bedarfsorientierte Bereitstellung von Informationen und Services effizient umsetzbar. Im Rahmen von "Datev 2025" gehören zu den strategischen Themen Cloud Computing, Automatisierung, Big Data und Vernetzung, dies unter Berücksichtigung höchster Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit und Rechtssicherheit.

Zu "Datev 2025" gehören folgende strategische Themen: Cloud Computing, Automatisierung, Big Data und Vernetzung, unter Berücksichtigung von Datenschutz, IT-Sicherheit und Rechtssicherheit.

Demnach sollen bei künftigen Portfolio-Erweiterungen Cloud-Lösungen Vorrang haben. Die Voraussetzung hierfür besteht bei Datev mit einem eigenen sicheren Rechenzentrum seit Jahrzehntne. Ziel der Weiterentwicklung des Cloud-Systems ist es, die digitale Zusammenarbeit zwischen Steuerkanzlei und Mandant zu vereinfachen. Die Grundlage dafür bilden zentralisierte Daten, die in der sicheren Datev-Cloud abgelegt und verarbeitet werden. Dadurch können Buchführungsprozesse wie auch deklaratorische Aufgaben automatisiert werden, um den Bearbeitungsaufwand zu verringern, die Aktualität der Daten weiter zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Kanzleien und der Unternehmen zu verbessern.

Die Lösung "Unternehmen online" stellt heute schon erfolgreiches Konzept dar, wie die Zusammenarbeit zwischen Steuerberater und Mandant digitalisiert und vereinfacht werden kann. Diese Cloud-basierte Anwendung zum digitalen Austausch betriebswirtschaftlicher Daten nutzen mittlerweile bereits 70.000 Unternehmen, bei der Kernanwendung zur Belegarchivierung sind es bereits 142.000 Unternehmen. Mehr als 454 Millionen buchführungsrelevante Belege wurden bis dato im DATEV-Rechenzentrum abgelegt.

Automatisierung von Routinetätigkeiten

Die Datev will zudem ihre Anstrengungen fortführen, einzelne Prozessschritte konsequent in einen medienbruchfreien digitalen Gesamtprozess einzubinden. Die durchgängige Verknüpfung von einzelnen digitalisierten Prozessschritten ist die Grundlage für weitreichende Automatisierungsbestrebungen. Gerade bei Routinetätigkeiten ist das Potenzial enorm: Die Prozessgeschwindigkeit steigt, manuelles Eingreifen wird reduziert. So sinkt beispielsweise der Zeitaufwand für die Bearbeitung einer Rechnung von fast einer halben Stunde künftig auf wenige Minuten, wie die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt nachweisen konnte. Darüber hinaus bietet sich die Chance, auf dieser Basis qualitativ bessere und umfassendere Auswertungen für die Unternehmenssteuerung zu erstellen.

Beratung für Auswertung von Big Data

Die Anzahl von 454 Millionen Belegen sind Teil eines riesigen Schatzes an betriebswirtschaftlichen Daten, den die Datev im Auftrag der Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und deren Mandanten im eigenen Rechenzentrum sicher verwahrt und verarbeitet. Er bietet die Basis für umfassende datenbasierte Leistungen – und ermöglicht so den Beratern die Chance, sich zukunftssicher aufzustellen. "Diesen Datenschatz wollen wir künftig gemeinsam mit unseren Mitgliedern heben und zu ihrem Nutzen unter Berücksichtigung unserer strengen Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit nutzbar machen", erklärt Robert Mayr. Das Unternehmen will hierzu gemeinsam mit den Berufsständen Ideen für eine weitergehende betriebswirtschaftliche Beratung entwickeln. Viele der neu entstehenden Services werden datenbasierte Beratungsprodukte und kollaborative Lösungen sein.

Ein wichtiges Thema für die Vernetzung von betriebswirtschaftlichen Prozessen im Unternehmen ist die Offenheit und Integrationsfähigkeit der Datev-Cloud, um weitere heterogene Systeme, Datenquellen und Prozesse medienbruchfrei zu verbinden. Mit der bereits existierenden offenen Schnittstelle DATEVconnect online können Daten aus Cloud-Systemen anderer Hersteller in die Datev-Cloud integriert werden, um den Workflow zwischen Unternehmen und ihren Mitgliedern auf breiter Basis zu optimieren. Dies unterstützt die Mitglieder und deren Mandanten bei der digitalen Zusammenarbeit, bei der Verzahnung ihrer digitalen Prozesse. Veranschaulichen lässt sich dies am Beispiel der Liquiditätsplanung: Wirklich aussagekräftig wird diese erst, wenn neben den rückwärtsgewandtenZahlungsinformationen der Kontoauszüge auch regelmäßige Zahlungsmuster und noch nicht gebuchte Zahlungen berücksichtigt werden. Dafür braucht es die Vernetzung verschiedener Datenquellen.

Umsatzwachstum im Geschäftsjahr 2016

Die Datev ist erfolgreich in das laufende Geschäftsjahr gestartet und erneut eine deutliche Umsatzsteigerung erzielen. Nach den vorläufigen Halbjahreszahlen wuchs der Umsatz der Genossenschaft gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 21,1 Millionen Euro (im Vorjahr 15,2 Millionen Euro) auf 460 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 438,9 Millionen Euro). Damit konnte die Genossenschaft gegenüber dem Vorjahreszeitraum im ersten Halbjahr 2016 eine Steigerung bei den Umsatzerlösen von rund 4,6 Prozent erzielen. Erhöht hat sich die Zahl der Mitglieder um 113 auf jetzt 40.489. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stieg im Vergleich zur Jahresmitte 2015 um 108 auf 6.911 an.

"Die Zahlen des ersten Halbjahres 2016 sprechen eine klare Sprache. Auch wenn unser Geschäftsverlauf nicht linear verläuft, so erwarten wir für das gesamte Geschäftsjahr 2016 ein deutliches Umsatzwachstum von mindestens vier Prozent", kommentiert Dr. Robert Mayr auf der Jahrespressekonferenz. Das prognostizierte Umsatzwachstum wird damit erneut über dem voraussichtlichen Wachstum der IT-Branche in Höhe von rund drei Prozent und über dem zu erwartenden Wachstum der deutschen Gesamtwirtschaft von rund zwei Prozent liegen.

Die Genossenschaft erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von 880,8 Millionen Euro, das Betriebsergebnis betrug 56,7 Millionen Euro. Zu der Umsatzsteigerung um rund 37 Millionen Euro haben nahezu alle Produktgruppen beigetragen. Größter Wachstumstreiber war die Produktgruppe Rechnungswesen, die mehr als ein Drittel des Wachstums generiert hat. Neben dem Kerngeschäft konnten auch die neuen Produkte und Dienstleistungen im Bereich Cloud- und Online-Lösungen einen Zuwachs verzeichnen. So konnte die Datev für das Geschäftsjahr 2015 eine genossenschaftliche Rückvergütung in Höhe von 38,1 Millionen Euro an ihre Mitglieder auszahlen. (sg)

  • Dr. Robert Mayr, seit 1. April Vorstandsvorsitzender der DATEV, und Diana Windmeißer, Vorstandsmitglied für Finanzen und Einkauf.
  • Der Vorstand der DATEV eG auf der Jahrespressekonferenz 2016: Dr. Peter Krug, Jörg v. Pappenheim, Dr. Robert Mayr, Diana Windmeißer und Eckhard Schwarzer (v.l.n.r.).
  • Dr. Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der DATEV, stellt auf der Jahrespressekonferenz die Initiative „DATEV 2025“ zur digitalen Transformation vor.
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