E-Mobilität und Einkaufen: Wie sich Händler Vorteile sichern

Die langen Ladezeiten von Elektroautos als Einkaufszeit nutzen – wäre dies nicht eine bedenkenswerte Idee?  Die Studie „E-Mobilität – ein Erfolgsfaktor im stationären Einzelhandel?!“  des Instituts für Handelsforschung Köln nimmt ein Thema in den Blick, mit dem Händler sich neues Umsatzpotenzial erschließen könnten.

E-Mobilität – ein Thema, das 2017 oft im Mittelpunkt gesellschaftspolitischer Diskussionen stand: Eine Ausweitung des Angebots an praxistauglichen Elektroautos, Dieselskandale und die Forderung, „dreckige“ Autos aus den Innenstädten auszuschließen, befeuerte nicht nur die Debatte um eine Mobilitätswende, sondern ließ unter anderem auch die Verkaufszahlen der Elektroautos ansteigen. Die (neue) elektrisch angetriebene Mobilitätsform stellt ihre Anhänger derzeit aber noch vor große Herausforderungen. Denn die Verwendung eines Elektrofahrzeugs erfordert eine hohe Bereitschaft der Nutzer, das eigene Mobilitätsverhalten anzupassen: Begrenzte Reichweiten zwingen Elektromobilisten, die Standzeiten und Routen des eigenen Autos vorausschauend zu planen und zu nutzen. Aufladungen im Alltag können den Bewegungsradius dabei bequem erhöhen und die nächtliche Ladung an der eigenen Steckdose ersparen.

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Ladezeit wird Einkaufszeit

Wäre es nicht optimal, die langen Ladezeiten der Elektroautos effizient als Einkaufszeit zu nutzen? Ja, sagen zumindest die Handelsexperten, die das IFH Köln für die Studie „E-Mobilität – ein Erfolgsfaktor im stationären Einzelhandel?! befragt hat. So stellen viele dieser Unternehmen bereits Lademöglichkeiten bereit und können somit Erfahrungen zu Kundenakzeptanz und möglichen Mehrwerten für den Handel sammeln.

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Ladesäulen auf dem Kundenparkplatz stellen beispielsweise sicher, dass Konsumenten ihre gewohnten Einkaufsrituale beibehalten können und bieten durch eine einfache und kostenfreie Ladung auch einen neuen Convenience-Faktor im Alltag. Auch für Handelsunternehmen bieten die Ladesäulen verschiedene Mehrwerte, so die Experten: „Befüllen“ Kunden ihren Elektrowagen auf dem Parkplatz des Händlers, hat dies einen positiven Einfluss auf die Kundenbindung und die Aufenthaltsdauer der Kunden im Geschäft. Einzelne der befragten Experten können zudem bereits feststellen, dass neue Kunden gezielt den eigenen Standort aufsuchen, um sich die Ladezeit mit einem Einkaufsbummel zu vertreiben.

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Ladesäulen als langfristige Investition sehen

Aktuell ist die Anzahl der Elektromobilisten in Deutschland noch verschwindend gering. Die beachtlichen Investitions- und Betriebskosten sind nach Einschätzung der Experten durch eine Neukundengewinnung oder die Verlängerung der Aufenthaltsdauer – zumindest aktuell – nicht zu erwirtschaften. Den Strom an die eigenen Kunden zu verkaufen, wird zumindest derzeit von diesen nicht angenommen. Besonders der Vergleich zum heimischen Stromtarif macht eine spontane kostenpflichtige Zwischenladung am Supermarkt für viele Nutzer unattraktiv. Trotz des vermutlichen Ausbleibens eines signifikanten direkten monetären Paybacks, kann sich das Betreiben von Ladesäulen nach Expertenansicht dennoch lohnen. Die befragten Experten bewerteten besonders die Auswirkungen von Ladesäulen auf die öffentliche Wahrnehmung der Unternehmen als einen derzeitigen Erfolgsfaktor. So kann sich das bereitstellende Handelsunternehmen gezielt in den Aspekten Nachhaltigkeit und Innovativität positionieren. Neben Neu- und Bestandskunden können so auch potenzielle Arbeitnehmer adressiert und angesprochen werden.

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Ladesäule ist nicht gleich Ladesäule

Neben dem finanziellen Einsatz stehen Händler, die ihren Kunden Ladesäulen anbieten wollen, jedoch vor weiteren Herausforderungen. So weist jeder Handelsstandort individuelle Charakteristika hinsichtlich der Erreichbarkeit oder der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer auf, die berücksichtigt werden müssen. Zudem gilt es, die Hardware passend zu den Kundenanforderungen auszuwählen. Bauliche Veränderungen an Bestandsimmobilien und das Fehlen von lokalen Kooperationspartnern hindern darüber hinaus aktuell viele Händler daran, diesen neuen Service für die eigenen Kunden anzubieten.

Vom Begeisterungsfaktor zum Basisfaktor?

Nach Experteneinschätzung wächst die Bedeutung der Ladesäulen im Handel dennoch beständig. Während Lademöglichkeiten von Kunden heute positiv wahrgenommen werden, könnte künftig lediglich das Fehlen einer solchen bemerkt werden. Kunden könnten Ladesäulen als einen selbstverständlichen Service erwarten, die eigene Einkaufsorientierung danach ausrichten und Standorte ohne Ladesäule meiden – ein Aspekt, den Händler bei der Beschäftigung mit dem Thema in jedem Fall berücksichtigen sollten.

Interesse geweckt?

Die Studie „E-Mobilität – Ein Erfolgsfaktor im stationären Einzelhandel?!“ gibt kompakte Einblicke in Anforderungen an Händler, erwartbare Mehrwerte für Unternehmen und zu berücksichtigende Faktoren einer angepassten Ausgestaltung von Ladeinfrastruktur im Handel.

Die Studie kann kostenfrei heruntergeladen werden.

 

Dr. Eva Stüber, IFH Köln

Über die Autorin: Dr. Eva Stüber ist Mitglied der Geschäftsleitung des IFH Köln. Sie beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Fragestellungen des Cross-Channel-Managements sowie der Digitalisierung im Handel und Innovationen.

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