Die SAP-integrierte Engineering-Umgebung bei Deutz

Die Deutz AG nutzt bereits seit längerem eine SAP-integrierte Engineering-Umgebung zur Prozess­optimierung, die von der DSC Software AG umgesetzt wurde. Im Zuge geplanter SAP- und NX-Upgrades sollte diese auf den neuesten Stand gebracht werden. Das Projekt startete im August 2016, Mitte Oktober 2016 ging die neue Lösung pünktlich in Betrieb. Seitdem arbeitet die Konstruktion mit Siemens NX 10 und nutzt die aktuelle SAP-ECTR-Version 5.1. Von Volker Pollak

Die Deutz AG mit Hauptsitz in Köln und weiteren Standorten weltweit ist ein unabhängiger Hersteller von Motoren, Komponenten und Systemlösungen. Das Traditionshaus wurde von Nikolaus Otto, dem Erfinder des modernen Viertaktmotors, vor über 150 Jahren gegründet und ist heute unabhängiger Anbieter von Diesel- und Gasmotoren im Leistungsbereich von 19 kW bis 620 kW. Zum Einsatz kommen die hochwertigen, umweltfreundlichen und effizienten Antriebe in Industrie-, Landtechnik- und Nutzfahrzeug-Anwendungen. Dank innovativer Technik und zukunftsweisender Abgasnachbehandlung erfüllen die Deutz-Motoren schon heute die europäische Norm für 2019.

Im Engineering nutzt man eine moderne CAD/PLM-Landschaft, ergänzt um Produkte der DSC Software AG:

• Engineering Control Center – ECTR: Integrationsplattform mit intuitiv bedien­barem SAP-Cockpit

• SAP PLM Integration für NX: Integrationsschnittstelle zur NX-Direktanbindung an SAP PLM

• Add-Ons: ++batchEngine, ++data­Exchange, ++NXadvancedSimulation und ++processAutomation

Lösung mit vielen Facetten

Seit Einführung der integrierten Lösung können die Konstrukteure lokal erzeugte Modelle, zum Beispiel Zeichnungen, sicher, strukturiert und redundanzfrei im zentralen SAP-System verwalten. Ebenso ist das Klassifizieren möglich, was das Finden und Wiederverwenden erleichtert. Die Modelle lassen sich auch logisch verknüpfen – miteinander oder mit anderen SAP-Objekten, zum Beispiel mit dem Material­stamm. Der Anwender kann die
Aktionen entweder direkt aus dem CAD-System auslösen – dank Spezialmenü für den Direktzugriff auf SAP-Daten und SAP-Funktionen – oder aber im SAP-Cockpit von ECTR. Dieses bietet eine Gesamtsicht auf die Produkte, bildet Zusammenhänge ab und liefert alle benötigten Infos nach individuellem
Bedarf.

Synchronisation sorgt für Transparenz

Durch die Synchronisation des SAP-Status­netzes in ECTR sowie der CAD-Daten sind für die Konstrukteure Bearbeitungsstand, Version, Gültigkeit und Änderungshistorie von Dokumenten stets transparent. Der Freigabeprozess wird durch ECTR unterstützt und sicher begleitet. Die eingesetzten Add-Ons ermöglichen die Abbildung in einem ganzheitlichen PLM-System. Der Konvertierungsserver ++batchEngine generiert automatisch die benötigten Neutralformate. Bei Deutz sind das JT-Dateien für die CAD-Modelle sowie PDF- und TIFF-Dateien für die Zeichnungen (nebst Aktualisierung der Zeichnungsrahmen). Das Add-On ++NXadvancedSimulation ermöglicht dem Motorenbauer, Simulationsdateien als eigenständige Dokumente im SAP-System zu verwalten. Mit dem Add-On ++dataExchange lassen sich komplette Baugruppen aus NX inklusive Zeichnungen bequem aus dem SAP-System expor­tieren und nach Modifikation durch externe Partner wieder konsistent ins SAP-System importieren. Und ++processAutomation schließlich führt automatisch definierte Aktionen durch – nach mehr als 50 verfügbaren Regeln, die sich bei Bedarf ­aktivieren lassen.

Beispielsweise lässt sich beim Statuswechsel einer Baugruppe überprüfen, ob alle Komponenten einen definierten Status haben. Oder beim Statuswechsel eines Modells wird automatisiert der Status der zugehörigen Zeichnung geändert. Ebenso lässt sich bei der Freigabe einer neuen Version die Vorgängerversion automatisch auf „alte Version“ setzen.

Bei Deutz wurden sämtliche Standardkomponenten maßgeschneidert implementiert, mit kundenspezifischen Einstellungen und Softwareanpassungen. Damit sind sie optimal zugeschnitten auf die Unternehmensprozesse und die Integrationsvorteile lassen sich effizient ausschöpfen.

Modernisierung im großen Stil

Bestimmte Business-Projekte erforderten 2016 ein SAP-Upgrade auf EHP 8, das ein externer SAP-Dienstleister durchführen sollte. Die Planung übernahm Deutz gemeinsam mit DSC. Das SAP-Upgrade bot darüber hinaus die ideale Gelegenheit, auch bei den Konstruktionssystemen ein Upgrade vorzunehmen. Siemens NX 6 wurde durch NX 10 ersetzt, was eine Modernisierung der ganzen Engineering-­Integration erforderte. Schließlich war die eingesetzte Integrationsplattform auf einem Stand (ECTR 4.2), der keine NX-10-­Unterstützung ermöglichte. Deshalb wollte man auf SAP ECTR 5.1 wechseln, was wiederum eine Umstellung der Zusatzkomponenten bedingte. Beispielsweise musste die SAP PLM Integration für NX durch das SAP ECTR interface to NX ersetzt werden. Die genutzten Add-Ons waren davon ebenso betroffen. Durch die vielen notwendigen Änderungen und die daraus resultierenden Unterschiede zwischen ECTR 4.2 und SAP ECTR 5.1 waren die kundenspezifischen Softwareanpassungen von einst obsolet und die betreffenden Programmcodes mussten neu geschrieben werden.

Vorgehen der besonderen Art

Für die Umsetzung einer Go-Live-fähigen neuen Engineering-Integration hat Deutz einen engen Zeitrahmen für Planung, Konzeption, Entwicklung und Implementierung vorgegeben. Die Integrationsplattform (Frontend) und sämtliche Zusatzkomponenten mussten auf das jeweilige SAP-Backend abgestimmt werden – damit am Ende auch alles läuft wie gewünscht.

Zur Sicherstellung des geplanten Go-Live-Termins führten die Spezialisten von DSC die Frontend-Umstellung an einem eigenen SAP-Testsystem durch – ohne Echtdaten, ohne ein kundenindividuelles SAP-Backend und ohne Deutz-­spezifische Implementierungen. Da die bisherige ­Lösung bereits von DSC stammte, hatte man dafür die notwendigen Kenntnisse. Mit diesem Know-how analysierten die Software- und Beratungsspezialisten die bisherigen Gegebenheiten Schritt für Schritt und konnten so den Konfigurations- und Anpassungsbedarf für die neue Lösung ermitteln. Und zwar für die Integrationsplattform, für die NX-Schnittstelle und für jedes einzelne der frontend- sowie backendrelevanten Add-Ons. Alle notwendigen Einstellungen und Anpassungen wurden auf dem Testsystem implementiert. Dabei musste man berücksichtigen, dass im SAP-System nach dem EHP-8-­Upgrade womöglich manches anders funktioniert als bisher. Die Experten setzten die Komponenten so auf, dass sich im Echtbetrieb eine lauffähige Lösung mit funktionierenden Prozessen realisieren lies.

Bahn frei für die Zukunft

Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen: Dank fokussiertem, effizientem und teils unkonventionellem Vorgehen hat man bei Deutz sowohl die zeitlichen als auch die technischen Herausforderungen gemeistert. Die neue Integrations­lösung ging pünktlich an den Start – zunächst am Hauptkonstruktionsstandort Köln und anschließend in einem kleineren Konstruktionsbüro in Atlanta (Georgia, USA). Um das Projekt abzuschließen, werden noch die CAD-Altdateien aus ­
NX 4 und NX 6 per Refile auf den Stand von NX 10 gebracht. Danach steht eine solide und zukunftssichere technische Basis zur Verfügung, die ein hohes Maß an Agilität und Effizienz bietet –nicht nur in der Produktentwicklung, sondern entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Nach der erfolgreichen Modernisierung seiner SAP-integrierten Engineering-Umgebung kann Deutz schnell und flexibel auf künftige Marktanforderungen rea­gieren und eigene Innovationen erfolgreich vorantreiben.rt |

Autor: Volker Pollak ist IT-Projektkoordinator SAP PLM/CAx bei der Deutz AG.

  • Die Antriebe der Deutz AG kommen unter anderem in Bau- und Landmaschinen, Material-Handling-Anwendungen, stationären Anlagen sowie Nutz- und Schienenfahrzeugen zum Einsatz. Bild. Deutz
  • Nach der erfolgreichen Modernisierung seiner SAP-integrierten Engineering-Umgebung kann Deutz schnell und flexibel auf künftige Marktanforderungen reagieren und eigene Innovationen erfolgreich vorantreiben. Bild: Deutz
  • Der Motorenspezialist verfügt über eine breite Palette flüssigkeits- und luftgekühlter Motoren in einem Leistungsspektrum von 19 kW bis 620 kW. Bild: Deutz
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